Und die Chromatik?

Das sehe ich ganz entspannt. Blättern Sie ein beliebiges Liederbuch durch. 80-90% der dort abgedruckten Lieder bleiben vollständig in einer Tonart. Und weitaus die meisten Lieder stehen in Dur. Warum also sich so viele Gedanken machen?

  • Bei Melodien in Dur gibt es gelegentlich einen Wechsel in die Dominate, dann – so machen es die meisten – wird aus dem Fa ein Fi.
  • Wenn die Melodie in Moll steht, wird oft die 7. Stufe erhöht. Dann wird aus dem So ein Si.

Ok, aber ist das Grund genug, einem „Drang zur Systematik“ nachzugeben und den von Do Re Mi Fa So La Ti nicht erfaßten 5 Töne Namen zu geben, aufwärts und abwärts? Bezogen auf die Lieder ist das nicht nötig. Warum also die so wunderbar einfache Solmisation kompliziert machen? Und vergessen Sie bitte nicht:  wir reden über den Unterricht mit Kindern an allgemein-bildenden Schulen !

Ich nenne die #- und b-Töne einfach wie die Engländer und Amerikaner: sharp und flat. Auf diese Weise kann man die Ableitung sofort erkennen und die Sache ist in einer Minute erledigt. Meine Tonreihe wäre also Do / Do sharp=Re flat / Re / Re sharp = Mi flat / ….und so weiter. Geschrieben sieht das so aus: #Do = bRe / #Re = bMi und so weiter. Auf dem tabDo ist das sofort erkennbar und benennbar.

Damit habe ich eine Benennung für alle denkbaren Fälle – wenn denn überhaupt „Fälle“ auftreten. Nehmen wir als Beispiel- „Fall“ den Blues. Die moderne Bluestonleiter (abwärts) lautet dann:

  • La So Mi bMi (gesprochen „Mi-flat) Re Do La.

(Übrignes finden die Kinder das auch noch „cool“, weil das „modern“ und englisch klingt, und die Jazzer sagen auch „flat“ und „sharp“….)

„Das kann man aber nicht singen“, höre ich rufen. Stimmt.

Gegenfrage: wieso soll ich das alles denn solmisiert singen? Wie oben gesagt, 80-90% der Lieder kommen doch Alterationen aus! Wenn die Kinder Melodien durch Do Re Mi verstanden haben, dann kann man ohnehin wieder aufhören, solmisiert zu singen. Bei Bedarf holt man die Silbenwieder hervor und macht sich mit ihrer Hilfe dies und das klar.

Mit diesem Vorschlag werde ich ganz sicher Widerspruch ernten. Ich will aber darüber nicht streiten. Das lohnt nicht. Dieser Meinung werden Sie sich vermutlich anschließen, wenn Sie den schönen Aufsatz von Thomas Phleps gelesen haben: „Die richtige Methode oder Worüber Musikpädagogen sich streiten“. Sie finden ihn unter

http://www.staff.uni-giessen.de/~g51092/Methode.html

p.s.:

Zur Rhythmus-Solmisation habe ich im Klett-Verlag ein Heft herausgegeben.

  • Rhythmus-Training. Musikmachen im Klassenverband

Zu weiteren Anwendungen des DoReMi in der Harmonielehre und beim mehrstimmigen Singen habe ich – ebenfalls im Klett-Verlag – herausgegeben:

  • Hören – Singen – A Cappella. Musikmachen im Klassenverband

 


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