1 Melodien nachbauen

Beispiel: BRUDER JAKOB

Beim Sprechen erzeugen wir pro Silbe einen Ton. Die BRUDER JAKOB-Melodie macht es genau so, pro Silbe ein Ton.[1] Um den Kindern für die „Hörarbeit“ den Weg zu bahnen, teile ich den Text entsprechend in Silben auf

││:            ←                diese Zeichen bedeuten: WIEDERHOLEN         →                  :││

Bruder Jakob 1

 

Den Kindern „den Weg bahnen“ heißt, alles bei Seite schaffen, was der Hauptsache im Wege steht. Deshalb nehme ich mir die Freiheit, die Trennstriche (Bru-der Ja-kob…..) wegzulassen, denn die Silbentrennung wird durch die senkrechten Linien der Spalten ausreichend deutlich. Andererseits heißt „den Weg bahnen“ aber auch: Gelegenheiten nutzen und am Wege wachsende Früchte pflücken. An dieser Stelle können wir zum Beispiel das leicht zu verstehende Symbol für „wiederholen“ einführen. Auch die verschieden langen Dauern der Melodietöne lassen sich optisch andeuten. Deshalb

  • stehen über der Tabelle die Wiederholungszeichen
  • sind die Silben entsprechend ihren Notenwerten auf die Zellen verteilt. Das werden später die „Viertel“ und die „Achtel“.

 DO ist der Grundton. Er kann überall liegen. Aber die Stimme und die Instrumente haben in der Tiefe und in der Höhe Begrenzungen. Deshalb kann man bei ungünstig gewähltem Do die Melodie nicht komplett singen oder sie paßt nicht komplett auf das Instrument.

Deshalb legen Sie am besten die Position des DO fest (jedenfalls beim ersten Mal), damit gesichert Do festlegenist, daß alle Töne des Liedes von diesem Do aus erreichbar sind. In diesem Falle wird es „kritisch“ beim „Ding-Ding-Dong“ = „Do-So-Do“. Wenn Do tiefer als D eingestellt wird, dann ist das „Ding-Ding-Dong“ nicht mehr darstellbar. Do höher als D hingegen ist möglich.

Aufgabe:  Schreibe unter jede Silbe den Melodieton

Die Kinder kennen die Melodie und die Ohren „sagen“ ihnen nun, ob ein Ton der richtige ist oder nicht. Wenn sie sich sicher sind, den richtigen Ton gefunden zu haben, dann sollen sie den Tonnamen unter den Text schreiben. Lassen Sie die Kinder alleine arbeiten. Manche sind schneller, andere langsamer – wie immer. Die Melodie ist kurz, deshalb sollte die Aufgabe zu bewältigen sein.Bruder Jakob Do Re Mi

 

 

 

 

 

Was lernen die Kinder dabei ?

„En passant“, beiläufig oder „incidental“, wie die Kognitionswissenschaftler sagen, lernen die Kinder:

  • Wenn man die Töne genauer voneinander unterscheiden will, dann muß man ihnen Namen geben. Die Kinder lernen wie die Töne heißen
  • Wie die Töne in Relation zueinander liegen (die „Skala“ Do-Re-Mi…..) und wie das klingt.

Singen Sie nun Melodie auf Tonsilben.
Fragen Sie in der nächsten Stunde, wie die Töne heißen.Sie werden feststellen, daß die Kinder die Tonnamen wissen – ohne daß Sie das unterrichtet haben. Das ist der „incidental-Effekt“. Wenn Sie die Kinder dann noch auffordern, die Melodie auf „Do-Re-Mi“ zu singen, dann werden das die meisten nicht können, das wäre zu viel verlangt. Aber mit der Tabelle oben geht es mühelos.

Wenn Sie das ein paar Mal machen, dann könnten die meisten Kinder auch diese „neue Strophe“ auswendig. Aber was hätte das für einen Sinn? Das ist nicht, was wir wollen. Wir möchten „Musik lernen“.

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Übrigens: „nachbauen“ heißt im Englischen heißt „to recreate“. Und genau das passiert, wenn die Kinder eine Melodie „nachbauen“: sie spüren einer Kreation nach. Und dabei lernen sie. So wie man das gotische Fenster anders sieht und „versteht“, wenn man die Konstruktion durchschaut, so wird auch das Musizieren und insbesondere das Singen besser, wenn man die Melodie besser „durch-hört“.

 


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