4 Improvisation


Wenn ein Kind eine Geschichte mit eigenen Worten wiedergibt, dann bezeichnen wir das als Nacherzählung. Das Kind liest nicht vor, es trägt auch keinen auswendig gelernten Text vor, das Kind improvisiert! Der „rote Faden“ der Geschichte wird abgewickelt, die Wortwahl ist dabei nicht zwingend festgelegt. Das Nacherzählen läßt sich steigern bis zur Kunst des Stegreiftheaters, bei dem zwar die Figuren und die Szenenfolge festgelegt sind, die Dialoge aber improvisiert werden.

Musikimprovisation ist nicht anders. Bei dem Wort „Improvisation“ darf man nicht gleich an Charlie Parker denken, der in rasendem Tempo auf seinem Altsaxofon rauf und runter jagt, oder an Johann Sebastian Bach, der auf der Orgel vierstimmige Fugen improvisiert. Improvisieren bedeutet erst einmal: eine Melodie mit eigenen Worten erzählen. Improvisieren ist „eine Melodie aus dem Stegreif umbauen“.

Improvisation Spirale

Im Abschnitt 6.2. haben wir Melodien umgebaut, aber nicht „aus dem Stegreif“. Wir haben andere tonale Wendungen zum Text überlegt, ausprobiert, geprüft wie sich das anhört – und dann notiert. Diese Zeit haben wir beim Improvisieren nicht. Die Zeit läuft, improvisiert wird im Takt. Insofern ist Improvisieren viel schwerer als Melodien nachzubauen oder zu komponieren. Andererseits kommt es nicht so auf ausgefeilte Qualität an. Es ist wie beim Nacherzählen: niemand erwartet, daß der Erzähler druckreif spricht.

 

 

Wie könnten wir in die Improvisation einsteigen? Ein Blick über den Zaun kann anregen und ermutigen:

  • Schachtrainer bauen übersichtliche „kleine“ Situationen auf.
  • Die Fußball-D-Jugend spielt auf verkleinertem Spielfeld mit verkleinerten Toren und verkürzter Spieldauer.
  • Erstklässler operieren erstmal im „kleinen 1×1“, bevor sie zum großen übergehen.

Also:

  1. Unsere Beispiel-Lieder kamen alle mit wenigen Tönen aus, sie hatten ein kleines „Spielfeld“. Wir sollten also auf jeden Fall das Tonmaterial begrenzen.
  2. Die Lieder liefern uns ein „Formgerüst“, damit die Improvisationen klare Konturen bekommen. Die Lieder haben einzelne Abschnitte, diese können uns als „Leitplanken“ dienen und die Improvisationen begrenzen.

Beim „Melodien-bauen / Komponieren“ habe ich angeregt, daß die Kinder ihre Kompositionen vorsingen. Darf man das hier auch erwarten? Sollen die Kinder so eine Improvisation solmisierend singen? Da sage ich: eher nicht. Damit werden die meisten deutlich überfordert. Zu vieles müßte gleichzeitig „im Kopf“ ablaufen. Sie werden es merken, wenn Sie die folgenden Beispiele selber versuchen. Die Tonvorstellung müßte so gut entwickelt sein, daß die Töne (mit ihren Namen)sehr schnell abgerufen werden können. Und in Sekundenbruchteilen muß man entscheiden, wie es weiter gehen soll.

Das ist sehr viel leichter zu bewältigen, wenn die Finger das machen. Dafür haben wir tabDo.

Beispiel: KleImprovisation 2 Kinderines Duette 

Die Kinder haben die Rhythmik des Liedes Ah,Ah,Ah, der Winter der ist da „im Hinterkopf“. Sie spielen abwechselnd und ohne Unterbrechung Variationen über „Ah,Ah,Ah“ (Kind 1 links) „der Winter der ist da“ (Kind 2 rechts)

Das Lied hat das Tonmaterial Do Re Mi Fa So. Wenn wir das Fa herausnehmen und durch La ersetzen, dann entsteht die pentatonische Tonleiter Do Re Mi So La. Wenn man nur diese Töne benutzt, entsteht immer etwas „Wohlklingendes“. (Der Grund: ohne Fa kann man nicht in die „Tücken des Dur“ tappen. Endet man eine Passage nämlich auf Fa, dann klingt das irgendwie „falsch“. Dabei hört man nämlich innerlich eine Modulation zur Subdominante. Das brauchen die Kinder alles gar nicht zu wissen. Wir geben ihnen die Töne, die auf jeden Fall „funktionieren“.)

So etwas wird dabei entstehen:Improvisation

Und so weiter.

Und das können wir auch gleich verwerten. Stellen Sie sich den nächsten Elternabend vor. Die Kinder singen alle Strophen des Liedes Ah, Ah, Ah. Und zwischen den Strophen improvisieren zwei Kinder solche „Duette“ auf dem Xylophon. Sie müssen nur klären, welche Töne das Do Re Mi So La sind. Sie werden sehen: das macht enorm Eindruck, weil die Kinder das locker darbieten werden. Wenn man nämlich verstanden hat, wie das funktioniert, dann macht das Improvisieren gar keinen Stress.

Viele weitere Beispiele finden Sie in: MIT MELODIEN SPIELEN. Sie können diese Didaktik kostenfrei anfordern  unter  KONTAKT


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