2 Melodien umbauen

Train your brain! Use it or loose it! – so liest man gelegentlich im Feuilleton oder in der Apothekerzeitung. Da wird dann dargelegt, wie die Muskeln schwinden, wenn man sie nicht betätigt. Und nicht nur die Muskeln. Neurologen sind sich inzwischen sicher, daß auch die Sinne an Schärfe verlieren, wenn sie nicht benutzt werden. Wenn die Kinder eine Melodie nachbauen, schärfen sie ihr Gehör. So gesehen ist „eine Melodie nachbauen“ im Sinne von „die Sinne schärfen“ Gesundheitserziehung.

Eine Melodie nachbauen – das ist in etwa so, wie wenn Kinder beim Kuchenbacken zuschauen und dann das Rezept für den Kuchen aufschreiben. Wenn sie genau aufgepasst haben, dann stimmt das „nachgebaute Rezept“ genau mit dem Rezept der Bäckerin überein.

Dabei hätten die Kinder zweifellos viel gelernt. Sie werden sich aber damit nicht zufrieden geben, denn bestimmt kommt jemand auf die Idee, das Rezept zu variieren. Man könnte dies und das doch auch anders dosieren und mischen und probieren, ob und wie das schmeckt.

Nehmen wir als Beispiel wieder BRUDER JAKOBBruder Jakob umbauen 1

 

Das ist der „nachgebaute Bruder Jakob“. Diesmal dargestellt mit der Notation des Rhythmus. Wenn Sie ihn beim erstenmal ohne Notenschrift notiert haben – bei dieser Geleegenheit könnten wir „en passant“ erste Blicke in die Notenschrift werfen.

Aufgabe: Wir wollen die Töne jeder Zeile neu anordnen. Aber nicht einfach so. Es soll gut klingen. Probiere mit tabDo bis Dir Deine neue Melodie gefällt und schreibe sie dann unter die Noten.

Also z.B. so: Zeile 1, Takt 1-4Burder Jakob Umbau 1

 

Nun kommen die Kinder untereinander und mit Ihnen in geradezu fachmännische Gespräche:

  • 2 ist so wie das Orginal gemacht, nämlich die Melodiezelle zu Bruder Jakob wiederholt sich so wie der Text
  • 1 und 3 wiederholen sich nicht beim zweiten „Bruder Jakob“

Wenn die Aufgabenstellung klar ist, geht`s los, das ganze Lied wird umgebaut. Und dabei könnte folgendes herauskommen:Bruder Jakob UMBAU 2

Wie bringen wir die umgebauten Melodien zu Gehör?

Die Kinder könnten ihre neue Melodie am tabDo vorspielen. Oder die Kinder bringen Ihnen die neue Melodie und Sie spielen sie am Klavier vor.

Nein! Die Kinder sollen ihre neue Melodie vorsingen! Wir wollen, daß die Kinder eine innere Tonvorstellung entwickeln, dass sie erleben, wie ihre Melodie entsteht und dass sie die Melodie sozusagen besitzen, wenn sie fertig ist, dass es ihre eigene Melodie ist. Und das ist erst dann so, wenn die Kinder ihre eigene Melodie vorsingen können. Also:

Aufgabe: Singe Deine umgebaute Melodie vor

Nun werden wir einige neue Versionen von „Frère Jaques“ haben, und wir kommen in Gespräche über „kompositions-technische Fragen“. Gut – besser – schlecht……wir kommen ins Gespräch über Kriterien und ob sich so etwas überhaupt entscheiden läßt.

Je nachdem wie die stark die Klasse im Singen ist oder wenn Sie vielleicht ein paar Blockflötenkinder haben, die die neuen Melodien spielen können: ein Versuch, die neue Melodie als Kanon zu singen oder spielen wird höchst-wahrscheinlich zum „akustischen Desaster“. Es wäre schon ein großer Zufall, wenn eine der umgebauten Melodien als Kanon funktionieren würde. Warum funktioniert das nicht? Die Kinder werden sagen: “das klingt schräg“ oder „das klingt falsch“. Sie können es ja auch mal mit anderen Liedern aus der Liederliste probieren. Versuchen Sie die als Kanon zu singen. Die Kinder werden feststellen: Ein Kanon ist schon was besonderes. Da muß mehr dahinter stecken als einfach nur eine schöne Melodie erfunden zu haben. Das sind erste Ausblicke auf Harmonie und Disharmonie.

Mit anderen Worten: wir sind „mitten drin“ im Musik-lernen.

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