Die Melodie-Gestalt

Die Melodie als GESTALT – der Beginn im Jahre 1890

031EhrenfelsBei der Konzeption von tabDo stand die moderne Kognitionswissenschaft im Hintergrund. Sie schließt sich nahtlos an die ältere Gestaltpsychologie an und entwickelte diese weiter.

Die Geburtsstunde dieser Gestaltpsychologie schlug 1890, als Christian Ehrenfels[1] sein Werk „Über Gestaltqualitäten“ veröffentlichte.

Ehrenfels entwickelt den Begriff GESTALT am Beispiel der Melodie des Volksliedes „Muß i denn zum Städtele hinaus“.

Knapp zusammen gefasst stellt er fest:

 Eine Melodie ist keine Aneinanderreihung von Tönen, sie ist mehr als die Summe dieser Töne, sie ist „übersummativ“.

  1. Eine Melodie ist „transpositions-invariant“, sie bleibt für die Wahrnehmung gleich, auch wenn man sie in eine andere Tonart versetzt.

Das klingt trivial, ist es aber keineswegs, denn in der Musikpädagogik ist es tatsächlich so:

  1. Stichwort Übersummativität: Pattern-Training ist beliebt, wir betrachten „Motivbausteine“, wir arbeiten mit „copyandpaste“, allerdings mit Gefühl, nicht so richtig an die Musik ran zu kommen, denn auf diese Weise entstehen nicht wirklich gute Melodien. Eine Melodie ist eben mehr als so eine „Summe“.
  2. Stichwort Transpositions-Invarianz: Wir unterrichten gerne und früh die Notenschrift. Das Phänomen der Transpositions-Invarianz verlangt aber zwangsläufig nach Tonbenennungen, die unabhängig von den Tonarten sind. Da bieten sich Solmisations-Silben an, sie sind in der elementaren Pädagogik geeignete Benennungen für die Töne.

tabDo ist die methodische Realisation dieser Erkenntnisse.

Wenn Sie sich näher damit beschäftigen wollen – Sie finden die Arbeit „Über Gestaltqualitäten“ von Christian Ehrenfels unter

http://www.gleichsatz.de/b-u-t/begin/ehrfels0.html

Einen Überblick über die Entwicklung der Gestaltpsychologie zur Kognitionswissenschaft finden Sie unter http://www.gib.uni-tuebingen.de/netzwerk/glossar/index.php?title=Gestalt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[1]Im Jahre 1885 wurde Ehrenfels auf Grund seiner Dissertation „Über Größenrelation und Zahlen“ zum Doktor der Philosophie promoviert. Bereits 3 Jahre später habilitiert er sich mit der Schrift „Über Fühlen und Wollen“. 1890 entsteht das berühmteste Werk Ehrenfels, die Abhandlung „Über Gestaltqualitäten“. Seine darin beschriebenen Gedanken haben später auch Einzug in die experimentelle Gestaltpsychologie gefunden. 1896 wird er an die Deutsche Universität in Prag berufen, wo er dreiunddreißig Jahre hindurch wirkte. Er starb am 7. September 1932.

 


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