Do Re Mi – erste Melodien entstehen

Stellen Sie sich Kinder in einem ersten Schuljahr vor, also rund 6 Jahre alt. Das Wetter ist gut und die Schule hat ein paar Sätze boomwhackers. Dann könnten Sie 3er-Do-Re-Mi-Gruppen zusammen stellen, die ausgerüstet sind mit C-D-E und F-G-A und E-F#-G#, also jeweils mit den ersten 3 Tönen einer Dur-Tonleiter.

Diese 3-erGruppen sollen auf dem Schulhof komponieren!
Wie? Indem sie mit den Tönen spielen und eine Melodie entstehen lassen. Allerdings brauchen die Kinder (normalerweise) noch eine Zutat, und das ist ein Text. Nehmen wir den Abzählreim „Ich und Du, Müllers Kuh“. rhythmisch ich und du Müllers Kuh

Wie wird der Prozeß ablaufen? Wahrscheinlich werden die Kinder den Text so sprechen:

 

Mit dieser Rhythmisierung werden die Kinder probieren und zu Melodien kommen wie diesen:
Ich und Du Müllers Kuh 1

Weil eine Melodie „von Natur aus“ weitgehend am Text hängt, ist der erste Schritt, die Töne vom Text zu lösen und ein Bewußtsein dafür zu entwickeln, daß die Töne sozusagen ein unabhängiges DaseiIch und Du Müllers Kuh 2n führen.

Abzählreime sind dafür sehr geeignet, denn normalerweise spricht man die rhythmisiert und vielleicht auch in einem „Singsang“, aber Abzählreime haben keine „allgemein verbindliche“ Melodie.

Spielerisch lassen die Kinder also eine Melodie entstehen. Was sie tatsächlich machen: sie komponieren (componere = zusammen setzen). Natürlich OHNE NOTEN, denn mit Notenschrift hat das zunächst nichts zu tun.
Aber man kann diesen Tönen schonmal Namen geben: Do Re Mi. Mit Namen können die Kinder ihre Melodie sogar (in Schreibschrift, das lernen sie im 1. Schuljahr) notieren und mit den Melodien anderer 3-er-Gruppen vergleichen. Dabei wird es sicher zu interessanten Diskussionen kommen.

  • „Ist die Melodie A schöner als die Melodie B?
  • Ist C richtig und D falsch?
  • Gibt es überhaupt richtig und falsch?“

Auf diese Weise wächst langsam eine Tonvorstellung und ästhetisches Empfinden.

 

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.